Mehlemer Quartettverein 1908 e. V.

Mitglied der Chorverbandes Nordrhein-Westfalen im Deutschen Chorverband

 

 

Der Mehlemer Quartettverein in der Toskana

 

 

Warum ausgerechnet in die Toskana? – Seit vielen Jahren pflegt der MQV besondere Beziehungen mit Italien - Ob mehrmalige Besuche mit Gegenbesuchen des italienischen Chores  von Omegna am Lago d’Orta, oder Reisen zum Lago Maggiore oder nach Rom, immer schon zieht es den MQV nach Italien. Montecatini Terme ist diesmal das Ziel, ein beliebter Kurort zwischen Lucca und Pistoia mit  einem gediegenen Ambiente, voller Leben und angenehmem Klima. Hier schrieb Verdi Teile der Musik zu „Othello“ und ließ für viele Jahre keine Saison aus. Für 5 Tage ist das Grand Hotel Nizza & Suisse unser Domizil. Für die 4 Sterne, die es vorgibt zu haben, lebt es allerdings mehr vom Charme des letzten Jahrhunderts. Die Anreise per Liegewagen (City Night Line) von Bonn nach Mailand am Mittwoch, dem 16. September für 86 Reiseteilnehmer muss man mögen, oder Bahnliebhaber sein, denn mehr oder weniger müde Reisende steigen nach etwa 11-stündiger Zugfahrt in zwei Busse, die uns nach Montecatini Terme bringen.

Irena und Dieter Quantius sind schon vor Ort und heißen uns willkommen. Freizeit ist jetzt für den Rest des Tages angesagt, abends wird im Hotel fürs leibliche und „geistige“ Wohl gesorgt. Einige fahren mit der „Funiculare“ hoch auf den Berg in die Altstadt von Montecatini nach „Montecatini Alto“. Beim späteren Abendessen ist die Speisefolge wohl etwas gewöhnungsbedürftig; es ist halt „toskanisch“, doch die Bedienung ist sehr aufmerksam und flott. Am nächsten Tag ist bis mittags noch freie Zeit mit der Möglichkeit der Bergfahrt für die, die es am Vortag nicht schafften.  Nach dem Mittagstisch beginnt das Besichtigungsprogramm. Rein in die Busse, raus aus den Bussen. Stadtrundgang und Besichtigung in Lucca, der Geburtsstadt Giacomo Puccinis. Temperamentvolle italienische Stadtführerinnen machen uns mit der Geschichte und den Sehenswürdigkeiten der beeindruckenden Stadt mit ihrer vollständig erhaltenen 12m hohen und 12m breiten Stadtmauer und der Piazza del Mercato vertraut. Obligatorisch ist ein Liedvortrag im Dom San Martino, dirigiert von Gregor Schorn, unserem Chorleiter, der auch später keine Gelegenheit auslässt, unsere Stimmen hören zu lassen. Wie sagt ein bekannter Politiker: „Das ist auch gut so“. Unser Hauptreiseführer Martino, eigentlich Martin Bauer, ein seit Jahren mit seiner Familie in der Toskana lebender Hamburger, Aussteiger, Dadaist, und Performance-Künstler, führt uns geschickt, umfassend unterrichtend und sehr liebenswürdig durch die Toskana und ermöglicht bei der Heimreise doch tatsächlich eine verspätete Zugabfahrt von Mailand. Doch davon später!

In Montecarlo –nicht zu verwechseln mit dem berühmten Ort mit der Spielbank-  einem kleinen, sehr hübschen Bergdorf gestalten wir ein Konzert mit dem gemischten italienischen Chor „Coro della Collegiata di San Andrea Apostolo“ in einem winzigen, aber sehr schönen kleinen Theater „Teatro dei Rassicurati“, ausgestattet mit sage und schreibe zwei Galerien. Leider lässt der Besuch zu wünschen übrig. Aber dennoch werden die Liedvorträge mit starkem Beifall bedacht. Bewirtet werden wir später vom einheimischen Chor mit einem vorzüglichen, vor Ort angebauten Wein, was einigermaßen entschädigt.

Firenze – Florenz, die Schöne, und Stadt der Medici - steht am Samstag auf dem Programm. Mit seiner Vielzahl von Sehenswürdigkeiten und Baudenkmälern gehört Florenz zu den bedeutendsten Kunststätten Italiens und ist der kulturelle Mittelpunkt der Toskana. Übrigens beheimatet Italien 70% aller Kunstschätze der Welt, wer’s nicht glaubt, muss es nachlesen. Wir sehen die Piazza del Duomo mit dem sehenswerten Dom Santa Maria, den Campanile di Giotto, das Baptisterium, Dantes Pfarrkirche, und die Piazza della Signoria mit der Kopie von Michelangelos „David“, (das Original befindet sich in der Galleria dell’ Accademia);     im Palazzo della Signoria tagte  die „Signoria“,  die neunköpfige Stadtregierung im Mittelalter. Die Piazza della Signoria mit ihren vielen Skulpturen wurvon den Medici gestaltetet und war der Mittelpunkt der Stadt und der Toskana. Die Medici zeigten ihre Machtfülle in dem  wie eine Festung wirkenden Palazzo Vecchio, den wir auf dem Rundgang besichtigen.  Man müsste nur mehr Zeit für Besichtigungen haben, es „knubbelt“ sich in den kleinen Gassen der Altstadt, zigtausende Besucher möchten möglichst alles sehen. Da sollte man vielleicht einen zweiten, längeren Besuch einplanen und sich aber nicht von den  fliegenden Händlern beschwatzen lassen. Einem dieser bedauernswerten Verkäufern geht es an den Kragen: ein ebenso flinker Ordnungshüter erwischt einen dieser illegalen Jungs, der Ledertaschen und Rucksäcke verkauft; er kann sich blitzschnell aus den Fängen der Ordnungsmacht befreien, seine Angebotsvielfalt ist allerdings unwiederbringlich im Kofferraum der Kontrolleure verschwunden.  Weiter geht es dann zur „Ponte Vecchio“, einer  der Brücken über den Arno, das ist wohl die berühmteste. Es wird kolportiert, dass die Ponte Vecchio in Szenen des verfilmten Romans von Patrick Süßkind „Das Parfum“ eine gewichtige Rolle spielt. Ein Juweliergeschäft reiht sich auf der Brücke an das andere und die Besucher reiben sich an den Schaufenstern an dem glitzernden Gold- und Silberschmuck die Nasen platt. Es war vermessen von uns, im Reiseprogramm die Möglichkeit eines Besuchs der Uffizien oder eines anderen Museums anzupreisen; stundenlanges Anstehen bei diesem Besucherandrang, nein, danke! Schade eigentlich! Doch es bleibt wirklich noch Zeit für einen privaten Bummel und einen Eindruck in die toskanische Küche.

Am Sonntagmorgen nehmen wir an der Hl. Messe in der Basilika von Montecatini teil, u. a. werden vorgetragen das „Amen“ , ein orthodoxes Kirchenlied in der Bearbeitung von Quirin Rische, „Hymnus“ von Friedrich Silcher, „Sancta Maria“ von Johannes Schweitzer,   eine Version des Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe“  eines Satzes von Gerhard Wind und „Die Himmel rühmen“ von L. v. Beethoven. Die Besucher im  vollen Gotteshaus spenden dankbar Beifall.

Ein weiterer Programmpunkt an diesem Tag ist Siena, eine der einst mächtigsten und reichsten Städte der Toskana. Der lang anhaltende und ewige Streit mit Florenz, Lucca und Pisa im Mittelalter hat jedoch bewirkt, dass die Stadt fast unverändert die Kulturrevolutionen überstanden hat  und ihr mittelalterliches Gesicht bewahrt hat. Von der Fortezza aus gelangen wir zu einem Aussichtspunkt, der einen ersten Rundblick auf die Stadt und die Hallenkirche San Domenico ermöglicht. Wir sehen die Piazza del Duomo mit dem Dom Santa Maria. Siena ist wohl für viele die perfektest erhaltene Stadt des Mittelalters mit ihren unverfälschten gotischen Bauten und der Piazza del Campo mit dem Fonte Gaia, dem Brunnen. Die Geschichte der Stadt, die ständigen Fehden mit den vorher erwähnten Städten, die historische Entwicklung und die Gegenwart wird uns von Camilla, der Sieneser Stadtführerin anschaulich, mitreißend und leidenschaftlich, darüber hinaus mit viel Witz, vermittelt. Es ist ein Genuss, ihren Ausführungen zu lauschen. Mitten auf dem Campo stellen wir uns mit unseren roten Hemden auf zu einem spontanen Konzert. Der Applaus des sachkundigen Publikums ist uns gewiss. Bei der Rückfahrt von Siena in unser Hotel begleitete uns doch tatsächlich Regen; so kräftig, dass er durch die Fenster eindrang und die Reisenden sich auf andere, noch freie Plätze im Bus flüchteten.  Es lag wohl daran, dass es ein Ersatzbus – ein altes Möhrchen -  war, der aus „technischen Gründen“  eingesetzt worden war. Das hätte nicht so sein sollen, war auch nicht so geplant.

Nach dem Frühstück am Montag geht es schon wieder auf zur Heimreise. Doch zuvor wird noch eine geplante und geführte Stadtbesichtigung (wieder mit einer der vielen kompetenten Führerinnen) in Pisa durchgeführt. Ebenso wie die anderen Städte ist Pisa voller Besucher und alle strömen wie wir zur Hauptattraktion, dem „Platz der Wunder“, der Piazza dei Miracoli mit dem Schiefen Turm, dem Dom und der Taufkirche. Vom Tor der Stadtmauer, der Porta Santa Maria, hat man einen unvergleichlichen Blick auf den Dom und den Schiefen Turm. Hier verdeutlicht sich die Neigung des Turms, doch auch der Dom ist nicht ganz in der Senkrechten; der ehemals morastige Untergrund des Bodens hat auch den Dom, wenn auch gering, aber doch für ein geübtes Auge sichtbar, etwas aus dem Lot gebracht. Es folgt die Besichtigung und Begehung des Doms Santa Maria. Eigentlich ist ein Liedvortrag im Dom nicht erlaubt, doch wir wagen es. Sogar ein zweites Lied wird ermöglicht. Später werden wir angesprochen: „Seid Ihr die mit den roten Hemden gestern in Siena?“. Schön, dass man sich an uns erinnert. Es gibt also Besucherströme, die die gleichen Ziele haben. Es verbleibt noch ein wenig Zeit, sich allein durch die Straßen und Gassen Pisas zu begeben um die Stadt  zu genießen, doch allzu schnell geht sie vorbei. Wieder drängt die Zeit, um 15:30 Uhr warten die Busse auf uns zur Heimfahrt.  – Ach ja, der römische Wettergott Jupiter (ehemals war’s der Mars) hat es im Allgemeinen auf unserer Sängerreise gut gemeint, die Witterung hat uns alle milde gestimmt (oder war’s die Altersmilde?), außer der Rückfahrt von Siena war’s insgesamt sehr schön.  

So ca. 15 km vor Mailand geht dann plötzlich nichts mehr, wir laufen auf einen Riesenstau auf. Die Busse werden getrennt. Eigentlich sind wir frühzeitig genug abgefahren, aber….Erst nehmen wir’s gelassen, doch die Uhr tickt unaufhaltsam; um 21:10 Uhr geht der Zug von Mailand Hbf von Gleis 6. Die Busse nehmen eine Ausfahrt weit vor Mailand und fahren durch die Vororte. Eine rote Ampel nach der nächsten. Soll diese Tour in Stress ausarten? Es ist 20:30 Uhr, und wir sind noch weit vor dem Ziel. Es wird 20:45 Uhr und der Bahnhof nicht in Sicht. Es wird 21:00 Uhr. Kein Bahnhof!  Dann 21:05 Uhr. Der Bahnhof. Endspurt. Martino hat vorgesorgt. Der erste Bus ist um 21:00 Uhr vor Ort und Martino spricht mit der Zugleitung. Der Zug wartet. Die Reisenden des Bus 2 hasten durch die Bahnhofshalle, zwei Rolltreppen hoch, um ein paar Ecken und erreichen den Zug. Geschafft. Wir verteilen uns auf Abteile, jetzt hilft nur noch ….na was denn wohl?  Und am Dienstagmorgen, dem 22. September erreichen wir mit einer kleinen Verspätung um 08:27 Uhr wieder Bonn Hbf. Als Fazit bleibt nur zu sagen die Reise war wieder ein voller Erfolg. Ciao Italia, ciao Toskana, ciao Bella!

J. Glauner